Was ist AOI (Automatische Optische Inspektion)? Funktionsweise, erkennbare Fehler, Vergleich AOI vs. Röntgen vs. ICT und Bedeutung für die Qualität.
Was ist AOI?
AOI steht für Automatische Optische Inspektion (englisch: Automated Optical Inspection). Es handelt sich um ein kamerabasiertes Prüfverfahren, das in der Elektronikfertigung zur automatischen Qualitätskontrolle eingesetzt wird.
Ein AOI-System scannt die bestückte Leiterplatte mit hochauflösenden Kameras und vergleicht das Bild mit einem Referenz-Datensatz (Golden Board). Abweichungen werden als potenzielle Fehler markiert und können sofort nachgearbeitet werden.
AOI ist heute Standard in der professionellen PCBA-Fertigung und ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Qualitätssicherung.
Funktionsweise eines AOI-Systems
Moderne AOI-Systeme arbeiten mit mehreren Technologien:
- Hochauflösende Kameras: Bis zu 15 Megapixel, erfassen jedes Detail der Baugruppe
- Verschiedene Beleuchtungswinkel: Mehrere LED-Ringe beleuchten die Platine aus unterschiedlichen Winkeln, um Lötstellen dreidimensional zu erfassen
- 3D-Inspektion: Moderne Systeme messen auch die Höhe von Lötstellen und Bauteilen
- Bildverarbeitungs-Algorithmen: KI-gestützte Software vergleicht Ist- mit Soll-Zustand
- Automatische Klassifizierung: Fehler werden nach Typ und Schweregrad kategorisiert
Die Prüfung erfolgt in Sekunden pro Baugruppe – deutlich schneller als manuelle Sichtprüfung und mit konstant hoher Zuverlässigkeit.
Welche Fehler erkennt AOI?
Ein AOI-System erkennt eine Vielzahl von Fertigungsfehlern:
Bestückungsfehler:
- Fehlende Bauteile (Missing Components)
- Falsch platzierte Bauteile (Misalignment)
- Verdrehte oder gekippte Bauteile
- Falsche Bauteil-Polarität (z.B. LED, Elko, Diode)
- Falsches Bauteil (Wrong Component)
Lötfehler:
- Lötbrücken (Solder Bridges) – Kurzschlüsse zwischen Pads
- Kalte Lötstellen (Cold Joints) – unzureichende Benetzung
- Zu wenig oder zu viel Lot
- Tombstoning – Bauteil steht senkrecht auf einem Pad
PCB-Fehler:
- Verschmutzungen auf der Platine
- Beschädigte Leiterbahnen
- Fehlende Lötstopplack-Öffnungen
AOI vs. Röntgen vs. ICT
Verschiedene Prüfverfahren ergänzen sich in der Qualitätssicherung:
| Merkmal | AOI | Röntgen (AXI) | ICT |
|---|---|---|---|
| Prüfmethode | Optisch (Kamera) | Röntgenstrahlen | Elektrisch (Nadelbett) |
| Erkennt | Sichtbare Fehler | Verdeckte Lötstellen | Elektrische Fehler |
| Ideal für | SMD, Lötstellen | BGA, QFN, Hidden Joints | Kurzschlüsse, Unterbrechungen |
| Geschwindigkeit | Sehr schnell | Mittel | Schnell |
| Kosten | Moderat | Hoch | Hoch (Fixture) |
| Einrichtung | Software-Programmierung | Software-Programmierung | Nadelbett-Adapter nötig |
Empfehlung: AOI ist das kosteneffizienteste Verfahren und für die meisten Baugruppen ausreichend. Röntgeninspektion wird bei BGA- und QFN-Bauteilen empfohlen, deren Lötstellen optisch nicht sichtbar sind.
Bedeutung für die Qualität
AOI ist ein zentraler Baustein in der Null-Fehler-Strategie moderner EMS-Dienstleister:
- 100% Prüfung: Jede einzelne Baugruppe wird geprüft – nicht nur Stichproben
- Rückverfolgbarkeit: Fehler werden dokumentiert und zur Prozessoptimierung genutzt
- Früherkennung: Systematische Fehler werden erkannt, bevor grössere Serien betroffen sind
- Kostenreduktion: Fehler werden sofort nach der Bestückung erkannt – Nacharbeit ist günstig, Feldausfälle sind teuer
Bei professionellen EMS-Dienstleistern ist die 3D-AOI-Inspektion Standard bei jeder Baugruppe – unabhängig von der Stückzahl. So wird höchste Qualität sichergestellt, von der ersten Prototypen-Platine bis zur Grossserie.
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